
- POPWISE
POPWISE | Folge -7- Every Breath You Take
Lebensweisheiten der Popmusik mit Thorsten Wittke & Hergen von Huchting
18.06.2026
Ist es wirklich „Something Stupid“, irgendwie dumm, zu sagen: Ich liebe Dich? Wie es Nicole Kidmann und Robbie Williams singen. Und wer ist eigentlich in wen feurig verliebt bei Bruche Springsteens „I`m On Fire“?
Musik, Popsongs begleiten uns durch unser Leben, häufig viele Jahre. Aber was hören wir da eigentlich genau? Was wird uns da vermittelt? Verstehen wir alle Botschaften eigentlich richtig? Wann wäre es sinnvoll, mal genauer hinzuhören und wann wäre es vielleicht sogar besser, wegzuhören?
Beziehungsexperte und Paartherapeut, Hergen von Huchting und Radio Paradiso Moderator, Thorsten Wittke hören in die Tiefe und entschlüsseln die Glaubenssätze und Lebensweisheiten hinter den bekanntesten und beliebtesten Popsongs unserer Zeit. Popwise.
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Sprecher 1
Hallo, Hagen.
Sprecher 2
Tach, Torsten.
Sprecher 1
Das ist heute 'n spannender Song, äh, den du mitgebracht hast und ausgesucht hast. Äh, ich freu mich drauf. Welcher ist es?
Sprecher 2
Es geht um jeden Atemzug, den du tust. [lacht] Every Breath You Take von The Police und von Sting geschrieben.
Sprecher 1
Dieser Song begleitet uns ja schon 'ne ganze Weile vom Anfang der 80er-Sprecher 2Ja
Sprecher 1
... bis heute. Und, äh, ich kann sagen, also es geht hier bei Pop Wise ja immer so um die Gefühlsebene vor allem-
Sprecher 2
Ja
Sprecher 1
von den Songs, gar nicht so sehr immer unbedingt um die Entstehungsgeschichte, was dahinter steckt, sondern was nehmen wir so mit aus diesen Songs und was steckt vielleicht manchmal auch eigentlich dahinter.
Sprecher 2
Ja.
Sprecher 1Und wo sind wir so 'n bisschen in die Irre geleitet worden. Also ich hab diesen Song viele, viele Jahre immer als reines Liebeslied, äh, wir fahren hier 'n Schiff vorbei, äh, trööt. Ähm, ich hab das, äh, immer als reines Liebeslied wahrgenommen, viele, viele Jahre. Äh, aber das, äh, deutet schon an, ähm, da steckt vielleicht noch möglicherweise eine andere Dimension hinter. Aber erstmal, wie hast du's wahrgenommen?
Sprecher 2
Ganz ähnlich. Läuft ja auch immer noch oder lief gerne immer auf Hochzeiten und ich hab mir wie bei vielen Liedern, äh, das für mich rausgesucht, was für mich so passte. Ist ja 'n super schöner Song von der Melodie her, recht einfach gehalten, denn das Ding ist mir immer schon sehr sympathisch gewesen und, äh, ja.
Sprecher 1
Dieses every breath you take, every move you make, I'll be watching you. Also ich hab da immer, ähm, meinen schlafenden Liebling irgendwie, ähm, vor Augen, den ich dann anschaue, aber auch gerne morgens, wenn ich mich auf den Weg zur Morning Show mache und dann schläft sie noch.
Sprecher 2
Du bist immer in meinem Herzen, alles gut, ne.
Sprecher 1
Genau. Und ich, äh, so und ich, äh, ja, freu mich darüber, schau mir das an und, ähm, ja, ist doch, ist doch alles gut.
Sprecher 2
Ja, wenn wir uns jetzt dem Rest nähern, kleine, kleiner Quiz vorher: Weißt du eigentlich, warum Sting Sting heißt? [lacht]
Sprecher 1
Nee. Gute Frage.
Sprecher 2
Das hab ich zufällig gefunden. Der hat in einer Band früher gespielt, da hat er immer so 'n schwarz-gelb geringelten Pullover an, wie 'ne Biene. Und da haben die irgendwann gesagt, du bist ja wie der Stecher, die, diese Bienen.
Sprecher 1
Echt? Der Stachel?
Sprecher 2
Der Stachel. Seitdem heißt der Sting.
Sprecher 1
Ah, wusst ich gar nicht. Sting und Biene Maja haben das gemeinsam.
Sprecher 2
Und der Stachel in dem Lied, ähm, passt insofern ganz gut, ähm, weil-- Man kann auch sagen, das ist der meist missverstandene Song überhaupt in der Popgeschichte. Weil eigentlich ist es so 'n richtiges Stalker-Lied. Es geht um Kontrolle und, und um Macht und, äh, ich sehe dich.
Sprecher 1
Ich hab das irgendwann mal tatsächlich nebenbei so wahrgenommen und gehört und gesagt, ja, ist eigentlich 'n Stalker-Lied. Und dann hab ich das daraufhin mal gehört und dachte, au Backe. Ja, stimmt, kann ich nachvollziehen.
Sprecher 2
Ist aber auch ganz schön, weil du hast die andere Ebene vorhin angesprochen, wie die Musik sonst so auf uns wirkt und dass wir uns so 'n paar Lines da raussuchen. Und das ist dann ganz schön. Lohnt sich dann doch mal genau hinzuhören.
Sprecher 1
Ja, ich will mir den Song aber auch-- Sowieso wollen wir hier ja gar keine Songs irgendwie kaputtmachen.
Sprecher 2
Auf keinen Fall.
Sprecher 1
Ähm, und ich finde auch, ähm, man darf sich durchaus zugestehen, einen Song auch weiterhin anders zu hören. Also weil, das hab ich mir zumindest jetzt so zugestanden, hab ich gemerkt, dass ich den gerne auch weiterhin als, äh, Lovesong und als Liebeslied mit eben den Bildern, die ich grade schon beschrieben hab im Kopf, irgendwie zu hören. Ähm, aber gehen wir mal ruhig in, in den Text dann auch, auch rein. Warum ist es 'n Stalker-Lied?Sprecher 2
Ja. Was du eben gesagt hast, passt aber auch ganz gut zu der Entwicklung von Sting, wenn ich mir den so weiter verfolgt habe, weswegen ich die Nach-- wie vor selber gern höre. Er hat das Lied damals, äh, in seiner Scheidung geschrieben. Also er hat sich scheiden lassen und es war quasi auf seine Ex-Frau gemünzt.
Sprecher 1
Aha.
Sprecher 2
Und er hat damals von sich selbst auch gesagt, das war 'n sehr dunkler Song und er hat da ganz komische Gedanken gehabt. Er konnte die Gedanken an sie quasi nicht loslassen.
Sprecher 1
Ah.
Sprecher 2
Hat sich aber, äh, ist er wieder neu-- Übrigens mit ihrer besten Freundin, hat er sie betrogen, ist dann wieder neu verheiratet und, äh, wenn ich mir den Lebensweg dann, den weiteren von Sting so anschaue, dann passt das auch ganz gut zu dem Lied. Man kann ja auch seine Einstellung ändern. Er ist inzwischen super reflektiert, äh, sehr engagiert, äh, unterstützt Stiftungen, lebt sehr bewusst, macht Yoga, äh, singt auch Jazz viel. Deswegen kann es schon sein, dass du aus einer Emotion, wo du so 'n Lied schreibst oder dich verloren fühlst, weil deine Frau dich oder du deine Frau verlässt, weil 'ne Trennung da ist, dass du dich daraus weiterentwickelst. Und deswegen kann man den Song sehr gerne weiterhören, ne.
Sprecher 1
Auch als Liebeslied. Nun wissen wir nicht, ähm, es gibt keine Angaben dazu, dass Sting ein Stalker gewesen, äh, ist. Wobei man auch nicht sagen kann, dass er's nicht gewesen ist, aber, äh, wir wissen's auf jeden Fall nicht. Und dieses Stalking, so wie du das jetzt gerade beschrieben hast, also wenn ich an Stalking denke, denk ich schon an diese mega unangenehmen Menschen, die ja dann wirklich auch auftauchen, äh, bei Leuten und sie beobachten und immer genau so viel Abstand halten, dass die Polizei nicht eingreifen, äh, kann und darf und auch wenn darauf hingewiesen wird, dann gesagt wird, ja, es ist ja bisher noch nichts passiert und, äh, deswegen, wir können da nicht irgendwie handeln. Aber vielleicht gibt es auch ein Stalking aus der Ferne. Also so wirkt das hier jetzt so 'n bisschen, wie du's beschrieben hast.
Sprecher 2
Das war bei Sting gar nicht so. Man heute, wir machen gleich mal den Sprung ins Heute, ist das ja schon ganz anders, hat 'ne ganz andere Dimension. Ich kann deinen Online-Status prüfen, ich kann deine Likes checken, ich kann gucken, wo du bist. Äh, ich kann verzögerte Antworten interpretieren durch dieses Online-Geschehen. Wenn ich mich dem stelle, bin ich ja ständig jemandem auf der Spur. Er wurde ja auch oft gefragt zu dem Lied, aus was für Gefühlen er es geschrieben hat. Für ihn war das eher so dieses Gefühl von, von Verlust. Er kann an gar nichts anderes denken und von auch, äh, Machtlosigkeit, weil die Person ist plötzlich nicht mehr in meinem Leben. Der hatte da gar nichts Böses im Sinn. Das Ist ja auch so interessant, weil die Musik so leicht und an-
Sprecher 1
Ja. Ja, oder so romantisch irgendwie daherkommt, ne?
Sprecher 2
Ähm, sondern für ihn war das mehr das Gefühl: Was mache ich denn? Ähm, das ist ja eine Form von Eifersucht. Ich habe keinen Zugriff mehr auf dich. Ich will das auch gar nicht böse haben, aber ja, da stehe ich nun und, äh, kann nichts mehr mit dir machen, kann dich zu nichts bewirken und ich habe auch keine Kontrolle mehr über dich.
Sprecher 1
Mhm. Ein Mensch, der ganz eng in seinem Leben war, ist jetzt mit einmal weg. Und, ähm, aus deiner Erfahrung, ähm, als, als Beziehungsexperte: Wie kommt man da wieder raus? Wie kann man damit umgehen?
Sprecher 2
Das bleibt immer so. [lacht] Ja, nee, ist ein wichtiges Thema, aber wir landen da ganz schnell bei Eifersucht und, und Loslassen.
Sprecher 1
Ja.
Sprecher 2
Weil wenn ich Kontrolle über jemanden ausüben will, dann hängt das ja meist gar nicht an der anderen Person, von der ich Angst habe, dass die besser, größer, schöner wäre, sondern an meinem Selbstwertgefühl. Und ich habe dann die Angst, dass ich verlassen werde, weil ich selber nicht genüge. Ja, und, äh, mein Lieblingssatz ist ja in solchen Situationen: „Liebe ist ein Kind der Freiheit." Das heißt, da müssen wir uns überlegen: Wie viel lasse ich denn los und wie viel, äh, gönne ich dir? Wie viel gestehe ich dir zu, dich zu bewegen und bin dir trotzdem noch nah? Aber wie viel kann ich ertragen?
Sprecher 1
Mhm. Ähm, wollen wir mal auf, auf Stalking tatsächlich auf diese Situation, wie ich sie beschrieben habe, dass wirklich Menschen, äh, auftauchen und, äh, Leute belästigen, eingehen? Also weil, ähm, ich will da gar nicht diese Geschichte machen, ähm, so 'ne, so 'ne Täter-Opfer-Umkehr, ne. Also weil, ähm, ich bin da sehr bei den Opfern und, äh, finde das 'ne ganz schlimme Situation auch vor allem, weil, wie beschrieben, ähm, da juristisch und polizeilich nur ganz, ganz schwierig, ähm, oder manchmal auch gar nicht eben eingegriffen werden kann. Aber ich finde es eben auch durchaus spannend zu schauen, was bewegt Menschen dazu, das zu machen. Ähm, also dieser Machtgedanke ist irgendwie ganz klar: Ich will Macht über einen anderen Menschen haben.
Sprecher 2
Man wird Sorge zu Kontrolle, könnte man quasi sagen.
Sprecher 1
Aber was bewegt diese Menschen? Was läuft in denen ab, dass sie dieses übersteigerte Bedürfnis haben, Macht über einen anderen Menschen, äh, auszuüben? Also du sprachst schon das, äh, g-geringe Selbstwertgefühl an, ähmm, dass sie dadurch versuchen, eben ihren eigenen Wert zu steigern, äh, indem sie dann das Gefühl haben: „So, also mein Wert ist dadurch gegeben, dass ich eben etwas mit einem anderen Menschen tun kann, was der nicht beeinflussen kann, dass er keine Kontrolle hat. Ich habe die Kontrolle und dadurch fühle ich mich stark." Ist das so simpel?Sprecher 2
Ja, so, so denken wir dann wahrscheinlich, äh, dass so-
Sprecher 1
Über diese Menschen.
Sprecher 2
Nee, oder auch die-- Wenn ich selber in so einer Situation bin, ich muss mich da ja gar nicht von freisprechen. Ich kann an meine Eifersuchtsanfälle gut mich erinnern, als ich 18 war.
Sprecher 1
Ja, aber ich würde noch mal... Also ich finde, das ist... Also ich, ich finde, Eifersucht darf dann da gerne noch mal unterschiedliche Dimensionen haben. Also Eifersucht-
Sprecher 2
Du bist jetzt mehr beim Stalking, richtig.
Sprecher 1
Ich bin jetzt wirklich beim Stalking. Also dass eben Eifersucht, äh, ein, will ich jetzt einfach nur mal so, unangenehmes Gefühl, umschlägt in diese Handlung, äh, die da vorgenommen werden, dass, dass, äh, die, die, die, die Person, die, äh, gestalkt wird, sich wirklich richtig bedroht fühlt.
Sprecher 2
Ja, dann machen wir es vielleicht ganz groß. Thema digitale Gewalt ist ja gerade in aller Munde.
Sprecher 1
Ja, nicht nur digitale Gewalt, aber ich meine, also da-das auch, das auch, aber eben auch dieses wirklich vor der Wohnung, äh, äh, erscheinen oder dann anrufen und dann auflegen und einfach nur reinatmen und so. Das sind ja, das sind ja richtig, mm, massive Angriffe.
Sprecher 2
Und hat absolut nichts mit Liebe zu tun.
Sprecher 1
Nein, never ever.
Sprecher 2
Sondern mit, was würdest du sagen?
Sprecher 1
Ja, eben mit Machtausübung und mit mangelndem Selbstwertgefühl. So würde ich das jetzt, ähm, interpretieren. Ähm-
Sprecher 2
Mit Angst natürlich auch, ne?
Sprecher 1
Ja, also so, und das ist jetzt-- Mit, mit Angst, also das macht mir dann eben diesen Menschen, diesen Stalker, äh, irgendwie schon wieder zu klein. Also ach, der hat Angst. Ja, wovor hat er denn Angst?
Sprecher 2
Ja, vor sich selbst. [lacht]
Sprecher 1
Ja, schon, oder?
Sprecher 2
Ja, klar. Das soll es auch nicht besser machen, auch nicht entschuldigen, aber ich-- wir müssen uns natürlich überlegen: Warum sind wir so? Wie kommen wir dazu? Und da spielt die Angst vor sich, vor der eigenen Begegnung immer eine große Rolle.
Sprecher 1
Mhm. Ähm, w-- Nun, nun ist an diese Menschen, glaube ich, auch schwierig ranzukommen, ne. Also so nach dem Motto: „Ey, geh doch mal in die Therapie, äh, anstatt hier vor der Haustür zu stehen. Mach doch 'ne, mach 'ne Therapie, damit du damit besser klarkommst mit der Situation." Ähm, ich, ich frag mal auch ganz, ganz direkt: Kennst du, äh, Menschen, die so was machen? Kommt das, ist das in deiner Praxis schon mal vor, äh, gekommen?
Sprecher 2
Oft.
Sprecher 1
Tatsächlich?
Sprecher 2
Ziemlich oft. Also selbst mit polizeilichen Verfügungen, die dann nicht ausreichen.
Sprecher 1
Ach guck.
Sprecher 2
Du darfst dich auf bestimmten Radius nicht mehr nähern. Du kriegst Unterlassungserklärung.
Sprecher 1
Aber da würde ich denken, da kommen eher dann eben, ähm, die, die Opfer zu dir und sagen: „Ach Mensch, wie kann ich irgendwie damit klarkommen als Opfer?"
Sprecher 2
Genau.
Sprecher 1
Äh, aber eigentlich wäre es ja sinnvoll, dass der, dass der Bedrohende, äh, zu dir kommt.
Sprecher 2
Nein, der hat aber keine, wir nennen das so schön, Krankheitseinsicht. Der-
Sprecher 1
So, das meine ich. Wie kriegen-- Also, also ist das wirklich so? Haben die keine Krankheitseinsicht?
Sprecher 2
Nee, wenn du in einem bestimmten, äh, Zustand bist, ähm, dann ist der, dein Befinden nicht so zugänglich.
Sprecher 1
Ja.
Sprecher 2
Da brauchst du viel Zeit und auch wirklich jemand, der sich mit dir darum kümmert. Dann nützen auch Verbote nichts. Äh, die setzen sich einfach drüber weg.
Sprecher 1
Mhm.
Sprecher 2
Ist auch eine spannende Dynamik. Ich würde das vielleicht ein bisschen vorher anfangen, bevor man in 'ne Beziehung geht, dass man sich überlegt, überlegt: Ähm, was erwarte ich denn eigentlich? Was soll denn Liebe für mich bedeuten? Ist es jetzt: Will ich loslassen oder will ich kontrollieren? Und wenn du in einem Ansatz bist, wo du möglichst kontrollieren willst, dann passiert es dir eher, dass du zum Stalker wirst, tatsächlich, dass du das nicht ertragen kannst.
Sprecher 1
Mhm. Ähm, wenn wir mal davon ausgehen, dass niemand das werden will, ähm, und setzen wir dann, wenn du sagst, man kommt an die, die dann stalken schon gar nicht mehr ran. Setzen wir aber bei denen an, die vielleicht diese, diese Tendenz dazu haben: Wie kann ich denn damit umgehen? Wie kann ich das dann realisieren und vorbeugen oder so was? Ab wann, ab wann wird, wird Eifersucht zu einem, einem massiven Problem? Weil, des-deswegen mag ich noch mal so sagen, diese unterschiedlichen Stufen. Das ist halt so, ah, Eifersucht irgendwie, würde ich immer sagen, Eifersucht und Eifersucht ist nicht dasselbe. Also dieses, dieses Gefühl: Ach Mensch, ähm, ich, äh, würde gerne mit, mit der Person zusammen sein, mit der ich bin und da ist jetzt irgendwie jemand anders. Also ich, ich finde, also so dieses, ja, weiß ich nicht, ob man das so sagen kann, so 'ne normale Eifersucht würde ich jetzt auch nicht irgendwie gleich zu 'nem Krankheitsbild irgendwie machen, äh, so, sondern ich, ich würde schon behaupten, da gibt es Abstufung. Aber damit man eben nicht in diese, äh, wirklich in dieses Stalkertum dann irgendwie reinkommt und man selbst vielleicht auch von sich sagt: „Oh, okay, vielleicht erkenn ich da so 'ne, so 'ne Tendenz bei mir. Wie kann ich die, wie kann ich die ausschalten? Wie kann ich die erkennen, dagegen angehen?
Sprecher 2
Wehret den Anfängen. Das fängt wirklich klein an, wenn er oder sie immer wissen will, wann ich wo bin, dass ich mich sofort melden muss, wenn ich kontrolliert werde, wen ich wann getroffen habe. Das ist nicht gesund. Äh, das eine hatten wir schon. Das ist quasi, weil ich mir denke, der Selbstwert vom Gegenüber ist zu klein, aber wenn dann Nähe als Besitz erlebt wird, dann muss ich sofort Stopp, Stopp sagen. Ich muss Grenzen setzen.
Sprecher 1
Mhm.
Sprecher 2
Ist deswegen schwierig, weil das ist eben so schön angesprochen, Eifersucht fühlt sich auch irgendwie ganz gut an. Bin ich dir nichts wert? Bist du gar nicht eifersüchtig? Das liegt daran, dass wir, wenn wir eifersüchtig sind, sind wir erregt. Also da wird auch Dopamin ausgeschüttet. Das ist ein schöner Zustand erst mal. Da denken wir: Oh, richtig was los in meiner Beziehung. [lacht] Nur ist diese Erregung nicht die, die wir eigentlich brauchen, sondern das verwechseln wir oft mit, äh, ich bin ganz, ganz gebunden. Ich bin verbunden, weil das tangiert mich ja. Aber das ist, äh, falsches Gleis. [lacht]
Sprecher 1
Mhm, falsches Gleis, falsche, falsche Verbundenheit. Okay, da bist du, also bei den Grenzen setzen, da bist du bei, ähm, der Person, äh, glaub ich, die irgendwie, ähm, der Eifersucht, bist du bei der Person, die später irgendwie, sag ich jetzt mal, Opfer werden könnte. Also die muss Grenzen setzen, ähm, aber auch die Person, die diese Tendenz hat, irgendwie zu übertriebener Eifersucht, ähm, die sollte das bei sich erkennen wahrscheinlich.
Sprecher 2
Machen wir aber nicht, wenn wir ein Problem haben und das, äh, meine blinden Flecken kann ich leider nicht so sehen.
Sprecher 1
Kann man nicht so selbst, ne? Also da braucht man schon das Gegenüber, das dann auch, äh, wirklich sagt: „So, okay.
Sprecher 2
Ja, ist ja mutig, weil wenn ich dir meine Grenzen aufzeige, laufe ich ja Gefahr, dass du sagst: „Nee, dann will ich dich nicht mehr“, oder „Dann werde ich, werde ich verlassen“, oder es gibt Stress zu Hause.
Sprecher 1
Mhm.
Sprecher 2
Und, äh, umso wichtiger, das zu lernen, sich wirklich zu positionieren, weil sonst ist das auf einem wackligen Gerüst gebaut.
Sprecher 1
Ähm, wie, also beide sich zu positionieren?
Sprecher 2
Na ja, der oder die Eifersüchtige positioniert sich ja ganz klar. Der erlebt Autonomie als Bedrohung. Da, aber ich brauch unbedingt 'n autonomen Partner, sonst hätt ich gar kein Interesse daran. Und seine eigene Autonomie zu wahren und zu schützen, ist nicht so einfach, weil da fängt's ja mit meiner eigenen Liebe an. Ich muss mich wirklich selber so wertvoll und so gut finden, dass ich denke, das steht mir zu. Ich darf mich auch frei bewegen und werd trotzdem oder gerade deswegen geliebt.
Sprecher 1
Mhm. Okay. Steckt das alles in diesem Song drin oder bin ich jetzt zu weit abge-Sprecher 2Nee, das steckt auch komplett drin. Das, das Ding wirklich ... Also holen wir mal eins weiter aus. Mir ist gut aufgefallen, dass keiner davor gefeit ist. Auch so Leute wie die in der Öffentlichkeit stehen, die einen guten Status haben, die gut aufgestellt scheinen. Wir können alle bei Problemen in so archaische Muster wieder verfallen, denn plötzlich, äh, kommt das Tier in mir hervor und das muss man einfach wissen und muss, äh, dann mit sich selber in Klausur gehen und gucken: Ja, wie begegne ich mir denn selber?
Sprecher 1
Hilft es da auch, wenn man sich sagt, so wie du sagst, so niemand ist davor gefeit, dass man erst mal sagt: „So, okay, das ist jetzt erst mal per se, wenn das aufkommt, noch nichts Schlimmes, sondern eher etwas Natürliches. Das kann passieren“, sodass man dadurch auch so 'n Stück weit Gelassenheit, äh, gewinnt. Weil wenn man sonst zu sehr verkrampft: „Oh Gott, was empfinde ich denn jetzt? Was, was passiert denn da jetzt mit mir?“, kann das das ja auch noch sogar befördern, oder?
Sprecher 2
Ja, man darf das auf keinen Fall überdramatisieren, weil es ist ein ganz normaler Reflex, dass wir mal unsicher werden. Man muss das nur ansprechen, weil wenn man sich dann zusammensetzt und sieht, was da läuft, dann kann man das meistens klären. Wenn man's aber nicht tut, dann verselbstständigt sich das und plötzlich bin ich unter deiner Kontrolle und ja, fühl mich unwohl und dann tut's irgendwann weh.
Sprecher 1
Also entstehen Rollen, die, die nicht angenehm sind für keinen und die, die niemand wahrscheinlich auch, ähm, haben wollte.
Sprecher 2
Ja, in dem Moment, wo ich anfange, was zu verheimlichen und denke, ich kann dir nicht mehr alles sagen oder ich, ich versteck das lieber oder das sollst du nicht wissen, dann, dann stimmt was nicht. Da muss man aufmerksam sein. Und wenn dann jemand sich wirklich verlaufen hat, ja, dann holt man sich Hilfe.
Sprecher 1
Mhm. Ja, wie ge-- wie erlebst du das in, äh, deiner, in deiner Praxis? Ist da auch Männlein und Weiblein irgendwie gleich drauf oder kommt schon eher vor ... Also ich hab immer das Gefühl so: Okay, es sind schon eher die Männer, äh, die da zum Stalker werden.
Sprecher 2
Im Verhalten dann tatsächlich. Wobei es gibt auch genügend Frauen, die Autos zerkratzen. [lacht]Ähm, das liegt aber daran, dass wir gewohnt sind, unsere Macht anders auszuagieren. Wir nehmen in der sozial, in 'ner sozialen Stellung oft 'ne mächtigere, gewünschte Rolle ein und sind das so gewohnt. Aber vom Gefühl her würde ich sagen, das ist gleich verteilt. Wir haben alle unsere Unsicherheiten, nur sind wir Männer es auch oft nicht so gewohnt, über genau diese Befindlichkeiten zu sprechen.
Sprecher 1
Mhm, mhm.
Sprecher 2
Und da sind Frauen oft trainierter. Aber es ist nicht so, dass Frauen nicht auch unsicher wären, verlassen zu werden oder-- Wir landen in jedem Paargespräch irgendwann an dem Punkt, dass jeder sich selber angucken muss und sich überlegen muss: Wie liebenswert finde ich mich und wie viel Freiheit gönne ich meinem Gegenüber und wie will ich dem wirklich begegnen?
Sprecher 1
Sting, Every Breath You Take. Du hast vorhin gesagt, ähm, man kann sich aber auch ändern.
Sprecher 2
Ja.
Sprecher 1
Das fand ich ganz, ganz schön.
Sprecher 2
Ja, das ist eine gute Entwicklung, wenn man das einmal anschaut und sich wirklich überlegt: Was mache ich denn da gerade? Wovor habe ich wirklich Angst? So wie der Sting das ja auch gemacht hat. Der kann da heute sagen: Na ja, das war eine dunkle Phase in meinem Leben. Habe ich gehabt, stehe ich zu, aber ich habe mich weiterentwickelt, ne. Inzwischen hat er gemeinnützige Stiftungen und, äh, kümmert sich gut um sich selber auch. Dann, äh, ist der Weg für, auch für eine gemeinsame Zukunft weit geöffnet.
Sprecher 1
Wie empfindest du diesen Song? Wie hast du den bisher immer gehört und hörst ihn vielleicht jetzt und hast selbst eine, eine Beziehung zu diesem, diesem Thema Eifersucht und wie damit am besten umzugehen? Würd mich, würd uns sehr interessieren. Einfach mal Rückmeldung geben über diese Plattform, wo du uns hörst oder auch direkt mal raufklicken auf www.beziehungscoach-berlin.de oder auch auf paradiso.de. Da findest du mich und eben auf der anderen Seite den Hagen. Und jetzt, ähm, viel Spaß beim vielleicht etwas anderen Zuhören von The Police mit Sting und Every Breath You Take.
Sprecher 2
Sehr schön. Dass man das so als Liebessong hört, ne. Und ich habe es auch immer so: Ich bin meiner Partnerin ganz verbunden. Ich nehme jeden Atemzug von dir nämlich wahr, ne.
Sprecher 1Ja, ne, so ganz eng und nah und, und, und wie schön und so. Äh, und...